Nach dem Bau eines „Landeplatzes für Luftfahrzeuge“ 1910 auf dem Exerzierplatz Salzdahlumer Straße erweiterte die 1916 errichtete Flugstation südlich der Broitzemer Straße eine neue verkehrstechnische Dimension.
Für kurze Zeit wurde der Flughafen 1919/20 in die deutsche Fluglinien einbezogen. Danach entstanden Kleingärten auf einem Teil des Gebietes. Im Jahre 1924 gab es eine Wiedereröffnung mit vergrößerter Start- und Landebahn.
1929 verlegte die deutsche Verkehrsfliegerschule ihren Standort in die Löwenstadt. Diese Ausbildungseinrichtung übernahm 1934 das Reichs-Luftfahrtministerium. Die 1926 gegründete Flughafen GmbH löste sich auf, da die Nationalsozialisten im Norden der Stadt, in Waggum, einen größeren, (kriegstauglicheren) Flugplatz bauen wollten. Sie ließen um 1935 auch das "Kasernengebiet" an der Broitzemer Straße errichten, denn die Schule für Aufklärungsflieger blieb als letzter Bestandteil des alten Flugplatzes am Ort.

Auf dem Broitzemer Flugfeld rollten damals: G 24 (Vorgängermodell der JU 52), HE 51 (Doppeldecke), Focke Wulf und Dornier.
Nach 1945 pflügten Broitzemer Landwirte das Rollfeld zu Äckern um; auch eine Reihe von Schrebergärten wurde geschaffen. Die im Volksmund so genannten „Offiziershäuser“ (1940) dienten nach Kriegsende als Unterkunft für Alliierte. Gegenüber befanden sich Kasernen, die nach dem Kriegsende Flüchtlinge, die nicht in ihre Heimat zurück wollten oder konnten, beherbergten. Bis zu 300 Menschen lebten isoliert mit eigenen Läden und eigener Schule.
15 Jahre nach Kriegsende wollte die Stadt diesen Zustand aufheben und wies die verbleibenden Flüchtlinge in in neugebaute Wohnungen „Am Queckenberg“, „Im Wasserkamp“ und „In den Gärtnerhöfen“.
1980 begann dann die aufwendige Sanierung der heruntergekommenen Kasernenbauten.
---- BZ-Artikel (Serie) zum 24. August 2011 Dieter Heitefuß
Recherchiert von Edmund Heide, Heimatpfleger in der Weststadt seit 1994.
Nach dem Bau eines „Landeplatzes für Luftfahrzeuge“ 1910 auf dem Exerzierplatz Salzdahlumer Straße wurde auf dem Gelände südöstlich der Broitzemer Straße der erste vollwertige Flugplatz am Rande Braunschweigs errichtet - 1916 mitten im Ersten Weltkrieg. Im April 1917 ist die Flugersatzabteilung 7 von Köln hierher verlegt worden. Ab Ende 1918 dienten die Gebäude als Notunterkünfte, Teile des Flughafens wurden als Kleingärten genutzt, während ein Teil des Areals die Flugwissenschaftliche Gruppe der Technischen Hochschule zur Verfügung stand.
1924 diente der Broitzemer Fliegerhorst wieder der zivilen Luftfahrt; die verlängerte Start- und Landebahn umfasste 100 Hektar. Von der Aero-Llyod war ab 1925 Braunschweig in die Linie Bremen-Hannover-Leipzig eingebunden.
Ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit gerieten im Oktober 1925 die Flugtage – ein echter Publikumsmagnet mit Volksfestcharakter und bis zu 60.000 Besuchern, die das Fluggelände bis zur „Rothenburg“ säumten. 1926 registrierte man hier bereits 1200 Flüge.
Von großer Bedeutung war die Verlegung der Deutschen Verkehrsfliegerschule der Lufthansa 1929 von Berlin-Staaken in die Löwenstadt, wurden doch jetzt hier die die Piloten ausgebildet - Braunschweig war eine „Stadt der Flieger“ .Das Hauptgebäude (1928) des Fliegerhorstes mit dem sog. „Offizierkasino“ steht seit 1988 als Gemeinschaftshaus Weststadt (GHW) – ab Mitte 2011 „Kulturpunkt West“ – als Kommunikationszentrum zur Verfügung. Bis 1935 sind die 30 Flachbauten im „Kasernengebiet“ errichtet worden. Die sechs sog. „Offiziershäuser“ an der heutigen Pregelstraße entstanden dagegen im Jahre 1940 und befinden sich im Eigentum der Niwo -Wohnbaugesellschaft. Der Treffpunkt Pregelstraße 11 ist seit Ende 2010 hier beheimatet.
Als das Reichsluftfahrtministerium 1934 die Einrichtung übernahm, musste die Zivilluftfahrt im Jahre 1935 für eine Aufklärungsfliegerschule weichen. Sie blieb bis Kriegsbeginn im Fliegerhorst, danach wurde sie nach Großenhain/Sachsen verlegt. In Broitzem die Fallschirmschule III ansässig.
Verbände der 9.US-Armee besetzten am 12. April 1945 Braunschweig und das bedeutete auch das Ende des Flughafens.
Die britische Armee übernahm am 5. Juni 1945 das „Kasernengebiet“ und stellte die Gebäude als Notunterkünfte für nichtdeutsche Flüchtlinge sowie Fremd- und Zwangsarbeiter zur Verfügung. Landwirtschaftlich genutzt wurden große Teile des Flugfeldes, während Einrichtungen im Flugbetriebsbereich demontiert wurden. Abgeschnitten von der Stadt lebten hier bis zu 3.000 meist osteuropäische Flüchtlinge, die aus verschiedenen Gründen nicht in ihre alte Heimat zurückkehren wollten.
Im „Geburtsjahr“ der Weststadt im Jahre 1960 entstand auf dem ehemaligen Flugplatz das größte Neubaugebiet unserer Region. Viele der einstigen Bewohner aus dem Kasernengebiet fanden eine neue Heimat in den benachbarten Straßen Donaustraße, Am Wasserkamp und am Queckenberg u.a.
Als „Kaserne Broitzemer Straße“ dienten nun einige Gebäude für die Nachschubkompanie 20, das Sicherungsbataillion 1 und auch Teile der Bundeswehr-Standortverwaltung. Weil etliche Blocks ungenutzt blieben, verrotteten sie. Die Bundeswehr gab 1980 das Areal auf. Es galt daher, eine zivile Nutzung zu erreichen, womit umfassende Sanierungsarbeiten verbunden waren. 1981 bezog die Freie Waldorfschule ihr Domizil, 1984 war die Turnhalle restauriert, während 1985 (bis 2010) die Fachhochschule für Sozialwesen ihre Räumlichkeiten bezog. Das Kommunikationszentrum ist heute der „Kultur Punkt West“ (vorher GHW), eröffnet im Jahr 1988. Von 1928 war hier das Hauptgebäude der Verkehrsfliegerschule beheimatet.
Weitere Einrichtungen befinden sich an der München-, Ludwig-Winter- und Rudolf-Steiner-Straße: Kinder-Teeny-Klub (KTK)„Weiße Rose“, Freie Waldorfschule, Finanzamt für Steuerfahndung, Wasser- und Schifffahrtsamt (WSV), Schützenhaus Belfort, Johanniter Unfalldienst,
Technisches Hilfswerk (THW), Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Niedersächsischer Landesrechungshof, Oberfinanzdirektion (OFD) –Landesweite Bezüge und Versorgungsstelle -, Studienseminar Braunschweig für das Lehramt an berufsbildenden Schulen.
Durch die Umgestaltung am sog. „Donauknoten“ vor ein paar Jahren entstand ein großzügiger Parkplatz mit einer Reihe von Geschäften. Als Getränkemarkt dient die letzte noch erhaltene Flugzeughalle. Im Mai 1978 wurde die Weststadt an das Straßenbahnnetz angebunden.






