Drucken

Der Westpark: Ein Jahrhundertprojekt

Bewertung:  / 51
SchwachSuper 

Landschaftsgestaltung beiderseits des Madamenweges (19.04.1980)

Mit zwei Gutachten zur Gestaltung des Westparks stellte Stadtbaurat Dr. Konrad Wiese dem Gartenwesenausschuss, wie er sagte, ein „Jahrhundertprojekt“ vor. Es handele sich um eine Flächenplanung, die zu den größten Landschaftsgestaltungen gehöre, die überhaupt in Deutschland zu verzeichnen seien.
Das Gebiet reicht von Lamme bis zum Timmerlaher Busch und vom Rand der Weststadt bis nach Lehndorf, wobei der Madamenweg als längste Straße in Braunschweig die Mittelachse bildet.

Dr. Wiese erläuterte die beiden eingereichten Gutachten von Professor Neuß (Gesamthochschule Kassel) und Professor Nagel (Berlin) so neutral wie möglich, um die Ausschussmitglieder in ihrer Entscheidung nicht zu beeinflussen. Aber einstimmig fand das Gutachten von Professor Nagel den Zuspruch, so dass beschlossen wurde, den Plan weiterzuverfolgen und Anregungen von Professor Neuß zu übernehmen.
Wenn das Projekt (von der Finanzierung wird vorerst nicht gesprochen) auch erst in 30 bis 50 Jahren verwirklicht sein werde, wie der Leiter des Stadtgartenamtes, Dr. Klaffke, sagte, so ist doch der Plan faszinierend. Den Madamenweg mit vier Baumreihen bepflanzt, nördlich von ihm die Raffteichlandschaft mit einem 36 Hektar großen See (größer als der Südsee) und einem Restaurant, die eingegliederten Kleingärten, das Gelände für die geplante Landesgartenschau 1988 in Höhe der jetzigen Kippe am Madamenweg, den Reiterpark, eine Volkswiese, ein Campingplatz, Sportanlagen und der Timmerlaher Busch alles in- und aneinandergegliedert - da konnte wohl niemand nein sagen.
Dazu komme noch, wie Stadtbaurat Dr. Wiese erklärte, dass der Plan die Verlegung der Bundesstraße 1 aus diesem Gebiet weiter nach Norden vorsehe. Für das frei werdende Gelände seien dann Parkplätze geplant. Dr. Wiese: „Die Realisierung ist schon möglich. Bleibt nur die Frage der Finanzierung, die uns noch Sorgen macht“. Die Vorstellung der Verwirklichung dieser Landschaftsgestaltung scheint ein riesiger Brocken für die Ratsherren und Bürgermitglieder des Ausschusses gewesen zu sein, denn als Ausschuss-Vorsitzender Josef Bader (SPD) das Thema zur Diskussion stellte, meldete sich vorerst niemand, so dass er selbst „den ersten Schritt machte“.
Da der Rat beschlossen habe, die Landesgartenschau 1988 zu veranstalten, gebe es wohl auch Zuschüsse, sagte er. Somit könne zumindest für diesen Teil geplant werden, wobei man ja berücksichtigen könnte, dass das Gelände dann auch so erhalten bleibe. Die Grundidee der Gesamtgestaltung und Nutzung fand er ebenso faszinierend wie Ratsherr Heinz Günther (CDU). Allein wegen der geplanten Landesgartenschau sollte sich der Rat, sagte Günther, schnell entschließen, um dann ins Detail gehen zu können. Die einzige Problematik sehe er bei verschiedenen Kleingärten. Dr. Klaffke erläuterte, dass die Realisierung vielleicht 50 Jahre dauern könne und somit nicht so problematisch sei, wie es auf den ersten Blick erscheine. Die Kosten sollten niemanden erschrecken, denn der Rat könne jedes Jahr im Haushalt eine Summe zur Verfügung stellen, gebaut werde immer nur ein Teilstück. Ausschussvorsitzender Bader und Bürgermitglied Dr. Casper glaubten jetzt schon, dass man unter Zeitdruck stehe und mit der Realisierung des Gebietes für die Landesgartenschau in Terminschwierigkeiten kommen könne, so dass doch Eile geboten sei und zumindest die Frage der Grundstücke geregelt werden müsse. Dr. Wiese erklärte abschließend, daß damit begonnen werden könne, den Madamenweg mit Bäumen zu bepflanzen, am Timmerlaher Busch mit den Auerändern zu beginnen sowie das Gelände zu sichern. Auch die vorgesehene Seefläche sollte angeboten („vielleicht findet sich Kies und kann genutzt werden“) und dem Landesstraßenbauamt offeriert werden, damit sie bei Straßenplanungen immer berücksichtigt werde.